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Heft 02  //  Kapitel 09

Exkurs

Elternarbeit im Übergangssystem

Neben den staatlichen Selektionen durch die Bildungsinstitutionen werden die Bildungswege auch durch die Familie gesteuert. Es lässt sich festhalten, dass die Mehrheit der Eltern es sehr begrüßt, wenn ihre Kinder einen sehr guten schulischen Erfolg vorweisen können. Eine ausreichende Unterstützung dahingehend scheitert des Öfteren  an fehlenden Informationen und fehlendem Wissen rund um die Themen Bildungssystem und Einstieg in die Berufswelt. Ein entscheidender Faktor bei der Unterstützung oder auch dem Wissen über das System ist davon abhängig, in wie weit die Familie selbst erfolgreich das System durchlaufen hatte oder in wie weit eine Wertschätzung für diese Bereiche vorliegt.

Der Bildungserfolg in Deutschland ist neben den sozialen Hintergründen auch von den ökonomischen Hintergründen der Kinder/Jugendlichen/Familie abhängig. Bildung findet nicht nur in, sondern auch außerhalb der Schule statt. Eltern vermitteln Werte in Bezug auf das Schulwesen und der Arbeitswelt, das private Umfeld leistet ebenfalls einen Beitrag.

Kinder und Jugendliche orientieren sich stark an den Bildern, die ihnen vorgelebt werden. So fragen die Kinder/Jugendlichen in Bezug auf die Berufswahl ihre Eltern um Rat oder orientieren sich an deren Meinung. Das Ergebnis der Umfrage „Berufswahl in Hamburg 2006“ (vgl. Stadt Hamburg 2006) von Schüler_innen (Vorabgangsklassen) aus Hamburg zur Berufswahlmotivation hat aufgezeigt, dass die Eltern einen erheblichen Einfluss auf die Berufswahl haben. Die Umfrage hat ebenfalls gezeigt, dass ein Großteil der Jugendlichen die berufsbezogenen Informationen von ihren Eltern erhalten. Aus diesem Grund müssen/sollten die Eltern eine kompetente Begleitung erfahren, um ihre Kinder wiederrum bei der Berufsorientierung zu unterstützen. Diese Zielsetzung steht jedoch vor mehreren Herausforderungen:

Geringe Kenntnisse über das gegenwärtige Schul- und Ausbildungssystem
(vgl. Stadt Mannheim 2011, 10 ff.)
Aufgrund des föderalen Systems in Deutschland fällt es vielen Eltern schwer, sich mit dem System vor Ort auseinander zu setzten. Hinzu kommen die äußeren Faktoren, wie z.B. ein Wohnortwechsel oder ein Wechsel der Landesregierung, die das Schulwesen regelmäßig erneuert. In den vergangenen Jahren sind bestimmte Ausbildungsberufe verändert oder gestrichen worden, oder sie wurden mit anderen Berufen zusammengeführt. Das Ergebnis einer solchen Zusammenführung ist, dass sich die Berufsbezeichnungen und die Zugangsvoraussetzungen verändern.

Weitere Gründe für fehlende Kenntnisse können auch gesundheitliche, sprachliche oder sonstige Einschränkungen darstellen.

Wenige Angebotsannahme von elternbezogen Veranstaltungen
(vgl. Stadt Mannheim 2011,10 ff.)

Eine Vielzahl von Eltern nimmt wenig an Veranstaltungen teil. Die Ursachen sind sehr vielfältig. Oft stehen persönliche Barrieren oder Hemmnisse hierfür im Vordergrund. Auch verstehen viele Eltern nicht, welche Rolle sie in der Berufswahlfindung innehaben und gehen von der Annahme aus, dass die Schule diesen Bereich komplett abdeckt.

Fehlende Gespräche zwischen der Lehrkraft und den Eltern
(vgl. Stadt Mannheim 2011, 10 ff.)

Das aktive Gespräch zwischen Eltern und Lehrkräften findet heutzutage meist unter dem Aspekt „ein Negativ-Gespräch zu führen“ statt. Dies baut eine Hemmschwelle auf, die nur schwer zu überwinden ist. Die Rahmenbedingen für solche Gespräche müssten verändert werden, damit die Eltern und Lehrkräfte sich einem lösungsorientierten Gespräch hinwenden können.

Ziele | Eltern müssen in die Lage versetzt bzw. gestärkt werden, um …

  • Ihren Kinder verstärkt Werte vermitteln zu können
  • Ihre Kinder bei der Berufswahl fördern zu können
  • Vorbilder sein zu können
  • Verantwortung übernehmen zu können
  • mehr mit der Schule/Lehrkraft kommunizieren zu können

Zielerreichung:
Damit Eltern die Jugendlichen aktiv beim Prozess der Berufsorientierung begleiten können, reicht es nicht aus, ihnen eine Broschüre zu überreichen oder ihnen im Rahmen einer Veranstaltung einmal das System und die Notwendigkeit darzulegen. Die Arbeit muss regelmäßig und dauerhaft erfolgen.

Mögliche Angebote:

  • Regelmäßige Informationsveranstaltung rund um das Thema Übergang Schule-Beruf
  • Einzelfallberatungen
  • Offene Sprechstunden
  • Unterstützung und Begleitung zu weiterführenden Angeboten
  • Schulungsangebot (Inhalte: Wie unterstütze ich mein Kind bei der Berufsorientierung/-wahl, Bewerbungstrainings, Unterstützung bei der Recherche, usw.)
  • Zusammen mit anderen Nicht-Regierungsorganisationen ein Angebot erstellen
  • Sonstige Aktivitäten (z.B. Elterncafé), die der Wertschätzung dienen

Daneben muss der Kontakt zu Eltern aktiv aufgesucht werden:

  • Besuch der Elternabende
  • Informationsveranstaltungen, Informationsstände an Orten an denen sich die Eltern aufhalten
  • Kooperationen mit Nicht-Regierungsorganisationen
  • Flyer für Eltern entwickeln (auch mehrsprachig)