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Heft 02  //  Kapitel 06

Seminarmodul I

Die Mentor_innen unterstützen und begleiten junge Menschen bei der Entwicklung und Analyse beruflicher und persönlicher Fähigkeiten.

Ziel des Moduls ist es die Teilnehmer_innen dahingehend zu sensibilisieren, ihre eigenen Erfahrungen und Vorurteile gegenüber bestimmten Personengruppen bzw. Lebensweisen zu reflektieren. Mit Hilfe von Unterstützungsprozessen, wie die Entwicklung von eigenen Wünschen und Vorstellungen in Bezug auf das Mentoring, werden die Widersprüche der Lebensrealitäten aufgezeigt und gemeinschaftliche Ziele definiert, um die unterschiedlichen Lebenswelten zusammen zu bringen. Hierbei wird insbesondere auf folgende Fragen und Inhalte eingegangen:

  • Was ist Mentoring und welche Aufgabe habe ich als Mentor_in?
  • Wie kann ich meine Motivation aufrechterhalten?
  • Eigene Stärken-Schwächen-Analyse.
  • Einführung: Menschenbilder und Vorurteile; Erkennen eigener Vorurteile und Umgang damit.
  • Kommunikation als wichtiges Instrument.
  • Wer sind Werkschüler_innen und welche Bedarfe gibt es?


Im Rahmen des Seminars steht nicht die ausschließliche Wissensvermittlung im Vordergrund. Vielmehr werden die Teilnehmer_innen dazu angeregt, ihre Verhaltens- und Denkmuster zu reflektieren. Durch den Austausch in der Gruppe, in Einzelgesprächen und durch Erfahrungsberichte werden die Themenfelder gemeinsam erarbeitet. Das Lernen von- und miteinander ist eine wichtige Säule in diesem Prozess.
 

Überblick über den Seminarablauf

Erwartungen und Befürchtungen
der Teilnehmer_innen




Eigene Stärken und Schwächen
kennen lernen und analysieren

Bürgerschaftliches Engagement
- Warum soll ich mich engagieren?









Was ist Mentoring?


Welche Aufgaben habe ich als Mentor_in?


Einführung: Menschenbilder und Vorurteile; Erkennen eigener Vorurteile und Umgang mit solchen



Kommunikation als wichtiges Instrument



Wer sind Werkschüler_innen
und welche Bedarfe gibt es?
 

Durch die Benennung der gesetzten Erwartungen und möglichen Befürchtungen werden die Teilnehmer_innen angeregt, sich mit der zukünftigen Aufgabe zu befassen.


Die Teilnehmer_innen sollen sich mit ihren eigenen Stärken und Schwächen auseinandersetzen.

Durch das Gegenüberstellen der eigenen Wahrnehmung und der Fremdwahrnehmung lernen die Teilnehmer_innen, wie ihr Verhalten oder Auftreten auf andere Personen wirkt.

Durch diese Fragestellung soll die Frage der Motivation beantwortet werden. Hierzu werden mögliche Beispiele aus der Runde der Teilnehmer_innen und aus anderen Bereichen des Ehrenamtes aufgezeigt.

Begriffserklärung und Darstellung des Mentorings im Projekt.
 
Gemeinsame Erarbeitung der Aufgaben und Definition der Rolle von  Mentor_innen.

Ein Ziel ist es, sich seine Vorurteile bewusst zu machen und zu verstehen. Damit wir unsere Vorurteile erkennen, müssen wir verstehen woher sie kommen und wie sie unser Handeln beeinflussen.

Grundlagen der Kommunikation werden vermittelt und die möglichen Prozesse zwischen den Kommunikationspartner_innen erläutert.

Kennenlernen der Zielgruppe durch Recherche und Austausch.


Seminarablauf

1. Begrüßung der Teilnehmer_innen

Die Seminarleitung stellt sich der Gruppe vor und gibt einen kurzen Überblick über die Seminarinhalte des Moduls.

Materialien: Flipchart, Stifte
 

2. Kennenlernen der Teilnehmer_innen

Arbeitsblatt | Einzelvorstellung
Arbeitsblatt 01.docx
Microsoft Word Dokument 22.6 KB

Zum Einstieg in das Seminar lernen sich die Teilnehmer_innen in Form von Einzelvorstellung, Partner_ininterview oder eines „Warming-Up“  kennen.

Einzelvorstellung:
Die Seminarleitung schreibt die Punkte für die Einzelvorstellung an die Flipchart oder gibt das Arbeitsblatt „Einzelvorstellung“ an die Teilnehmer_innen aus, anhand derer sie sich mündlich der Gruppe vorstellen. Nachfragen sind in dieser Runde erwünscht. Bei der Selbstvorstellung gibt es keine Vorgabe. Der_die Teilnehmer_in kann z.B. die Begrüßung in einer anderen Sprache oder einem Dialekt vornehmen. Hier sind die Teilnehmer_innen frei.

Dauer: 15-25 Minuten (abhängig von der Teilnehmer_innenzahl)
Materialien: Flipchart, Stifte,  Arbeitsblatt „Einzelvorstellung“

Partner_innen-Interviews:
Die Vorstellung des_r Gegenüber erfolgt mittels Steckbrief, der den Teilnehmer_innen übergeben wird. Die jeweiligen Paare interviewen sich und stellen die_den Interviewte_n der Gruppe vor. Die Zusammenstellung der Paare erfolgt individuell.

Dauer: 20 -30 Minuten
Materialien: Arbeitsblatt  „Partner_ininterview“

Warming-Up:
„Platz-Wechsel“ (bei einer Gruppengröße ab 10 Personen)
Die Teilnehmer_innen sitzen in einem Stuhlkreis, alle Plätze sind besetzt. Ein_e Teilnehmer_in  steht in der Mitte. Um einen Sitzplatz zu bekommen, muss er_sie die anderen dazu bringen, die Plätze zu wechseln. Er_sie nennt ein Merkmal, das auf verschiedene Leute im Kreis zutrifft bzw. zutreffen könnte, z.B. „Alle Brillenträger wechseln den Platz“, „Alle, die braune Schuhe tragen, wechseln den Platz“.  In diesem Moment versuchen alle, die aufstehen, einen Platz zu bekommen, auch die Person in der Mitte. Die Person, die übrig bleibt, übernimmt den Platz in der Mitte. Der eigene Platz darf  in der jeweiligen Runde nicht erneut besetzt werden.

Um den Kennlerneffekt zu verstärken, können auch unsichtbare Merkmale gewählt werden, z.B. „Alle, die kein Fleisch essen, wechseln den Platz“.

Dauer: 15 Minuten
 

3. Eigene Stärken und Schwächen kennen und analysieren

Die Teilnehmer_innen sollen sich an dieser Stelle mit ihren eigenen Stärken und Schwächen auseinandersetzen. Diese Übung erfordert einen hohen Vertrauensgrad und ist sehr sensibel.

Wer bin ich?
Jede_r Teilnehmer_in erhält zwei unterschiedliche Karten (Farbe/Form). Auf diesen werden die Stärken und Schwächen notiert (maximal zwei Stärken und Schwächen). Im Anschluss werden die Karten von jedem_r vorgelesen. Die Auswertung dieser Übung erfolgt mittels Fragen an die Gruppe:

  • Wie war es die eigenen Stärken und Schwächen aufzuschreiben?
  • Welche Stärken bringen dich in deinem Leben, Beruf usw. weiter?
  • Welche Schwächen stellen dich immer wieder vor ähnliche Probleme?
  • Warum haben die Menschen Angst davor, ihre Schwächen offen zu nennen?
  • Gibt es Schwächen, die in der Gesellschaft nicht akzeptiert sind?
  • Können Schwächen nicht auch Stärken sein und umgekehrt?

Durch diese Übung wird aufgezeigt, wie schwer es fällt, seine eigenen Stärken und Schwächen zu benennen und dass insbesondere Schwächen meist eine Definitionsfrage sind. Der Blick auf Stärken und Schwächen anderer Personen hilft auch dabei, sich mit seiner eigenen Person auseinander zu setzen.

Dauer: 30 Minuten
Material: unterschiedliche Karten, Stifte, Pinnwand

Das-bin-ich-Zwiebel
(Quelle: Baustein zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit | DGB-Bildungswerk Thüringen e.V.  | www.baustein.dgb-bwt.de ): Die Teilnehmer_innen malen eine „Zwiebel“ bzw. fünf Ringe, in deren Mitte sie sich selbst (abstrakt) zeichnen. In die Ringe tragen sie diejenigen Eigenschaften und Gruppenbezüge ein, die sie an sich selbst wichtig finden, die wichtigeren dichter im Zentrum, je unwichtiger, desto weiter nach außen. Im Anschluss werden die Zwiebel-Bilder an die Wand gebracht und ausgewertet.

Dauer: 30 Minuten
Material: Arbeitsblatt „Das-bin-ich-Zwiebel“ oder Papier, Stifte
 

4. Erwartungen und Befürchtungen der Teilnehmer_innen

Arbeitsblatt | Partner_in-Interview
Arbeitsblatt 02.docx
Microsoft Word Dokument 23.2 KB

An dieser Stelle sollen sowohl die Erwartungen an die Seminarreihe als auch die Erwartungen und Befürchtungen an das Mentoring formuliert werden. 

Um die Erwartungen an die Qualifizierung und an das Mentoring voneinander zu trennen, sollen die Teilnehmer_innen ihre Erwartungen und Befürchtungen benennen. Dazu werden  weiße Karten für die Erwartungen an die Seminarreihe, grüne Karten für die Erwartungen an das Mentoring und rote Karten für die Befürchtungen zum Mentoring ausgeteilt. Jede_r Teilnehmer_in hat maximal fünf Karten je Farbe zu Verfügung. Auf jeder Karte dürfen maximal zwei Wörter stehen. Die jeweiligen Karten werden an eine Pinnwand geheftet und kurz erläutert. Die Seminarleitung sortiert die Karten. 

Dauer: 20 -30 Minuten
Materialien: Pinnwand, Karten, Stifte, Flipchart
 

5. Was ist Mentoring?

Arbeitsblatt | Das-bin-ich-Zwiebel
Arbeitsblatt 03.docx
Microsoft Word Dokument 63.4 KB

Zur Definition von Mentoring siehe das Kapitel „Was ist Mentoring: Eine Beschreibung“.

Gruppenarbeit:
Die Gruppe sammelt Begriffe und Erklärungen, was ihnen zum Thema Mentoring einfällt. Hierzu gibt die Seminarleitung, falls erforderlich, Gedankenanstöße und schreibt die Punkte, die die Gruppe benennt, an die Flipchart. Nachfragen und Diskussionen sind erwünscht. Bei der Erarbeitung gibt es keine Vorgabe. Anschließend wird eine gemeinsame Definition gefunden.

Dauer: 15-25 Minuten
Materialien: Flipchart, Stifte
 

6. Aufgaben von Mentor_innen

Zur Definition der Aufgaben von Mentor_innen siehe das Kapitel „Aufgaben der Mentor_innen: Mehr als eine Patenschaft“.

Gruppenarbeit:
Die Seminarleitung teilt die Anwesenden in Kleingruppen (2-3 Personen) auf. Jede Gruppe sammelt in einem Brainstorming ihre Antworten auf die Frage „Was sind die Aufgaben von Mentor_innen?“. Im Anschluss clustert die Seminarleitung die genannten Punkte und es erfolgt ein Austausch darüber im Plenum.

Dauer: 15-20 Minuten Gruppenarbeit | 30 Minuten im Plenum
Materialien: Flipchart, Stifte, Moderationskarten
 

7. Bürgerschaftliches Engagement - Warum soll ich mich engagieren?

Staatliches Handeln ist seit mehreren Jahren durch die schlechte Haushaltslage des Bundes-, der Länder- und Kommunalhaushalte geprägt. Freiwillige Aufgaben der öffentlichen Hand schwinden immer weiter aus dem Blickwinkel von Politik und Verwaltung. Aufgaben, die jedoch nicht einfach wegfallen können, weil sie eine wichtige Säule im gesellschaftlichen Zusammenleben sind und den Grundstein für ein Miteinander darstellen. Sparmaßnahmen, Schuldenbremse und andere Vorhaben der Haushaltspolitik führen dazu, dass insbesondere im sozialen und bildungspolitischen Bereich immer wieder Einsparungen durchgesetzt werden. Menschen, die Unterstützung benötigen, leiden besonders stark unter diesen Entscheidungen; ihnen fehlt eine Lobby. Eine Folge davon ist die Stärkung des Engagements von Menschen, die eine solche Entwicklung nicht hinnehmen wollen. Bürger_innen engagieren sich für ihre Gesellschaft und Umwelt. Angefangen von Betreuung und Begleitung bis hin zu Umweltfragen. Die ehrenamtlich Engagierten wollen den Ist-Zustand nicht einfach hinnehmen und unterstützen aktiv durch ihr Handeln Organisationen, die sich für die Belange der Schwächeren in der Gesellschaft einsetzen.

Durch die Bereitschaft sich für andere stark zu machen wächst der eigene Horizont. Menschen kommen in Situationen, die sie vielleicht sonst nicht erlebt hätten; Engagierte treffen auf Menschen, Nachbar_innen, Freund_innen, die ihnen eventuell verborgen geblieben wären; Engagierte lernen, eignen sich Wissen an, und entwickeln Fähigkeiten, die ihnen nicht bewusst gewesen sind. Durch das Miteinander haben Bürger_innen die Chance etwas für sich und andere zu tun.

Zitat einer ehrenamtlich engagierten Person aus dem Integrationsbereich: „Ich selber stamme aus einer Familie, deren kultureller Hintergrund sehr vielfältig ist. Meine ehrenamtliche Tätigkeit, die Arbeit mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und Lebenserfahrungen, hat mir geholfen mich selbst zu reflektieren und meine eigene Geschichte besser zu verstehen. Ich weiß jetzt wer ich bin und wohin ich gehe.“

Hinweis: Es gibt eine Vielzahl an Begriffen: Ehrenamt, Freiwilliges Engagement, Bürgerschaftliches Engagement. Unter folgendem Link gibt es eine Vielzahl an Informationen zum Thema: http://www.buergergesellschaft.de/engagementfoerderung/freiwilliges-engagement/zur-begriffsvielfalt/106765/ 

Gesprächskreis:
Die einzelnen Teilnehmer_innen berichten in der Gruppe über ihr mögliches bereits vorhandenes Engagement und warum sie sich engagieren bzw. engagieren möchten. Hierbei ist es wichtig, dass keine Bewertung stattfindet, da jedes Engagement positiv ist, welches zum Gemeinwohl beiträgt.

Dauer: 25-35 Minuten

 

8. Einführung: Menschenbilder und Vorurteile

Klischees und Vorurteile begegnen uns alltäglich: In der Werbung, in den Nachrichten, in der Politik, im Sport oder auch durch die Kultur werden gefestigte Bilder über Gruppen in unserer Gesellschaft vermittelt. Durch diese Reizüberflutung fällt es uns nicht immer leicht, Eindrücke zu reflektieren und unsere Umwelt differenzierter wahrzunehmen. Dabei kommen manche Klischees oder Vor_Urteile . dem Anschein nach positiv daher: Brasilianer spielen sehr guten Fußball, italienischer Charme, deutsche Pünktlichkeit. Dennoch sind derartige Zuschreibungen zu bestimmten Menschengruppen, Ländern und Sachverhalten eher vereinfachend und blenden die Komplexität der Verhältnisse und der Menschen aus. Hieraus kann – insbesondere bei politischen Konflikten und deren Bearbeitung in den Medien leicht – schnell eine negative Zuschreibung ganzer Gruppen, Nationalitäten, Ethnien, Religionsgemeinschaften werden, die dann ausgrenzend und diskriminierend auch auf die Individuen wirkt, die diesen Gruppen zugehören oder ihnen zugeschrieben werden.

In unserem Grundgesetz wird das von den Artikeln zu Beginn aufgegriffen:

  • Artikel 1 Grundgesetz „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
  • Artikel 3, Absatz 3 Grundgesetz „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

 
Begriffe

  • Klischee
    Festgefügte, oberflächliche, verbreitete Vorstellung einer Sache oder Person (vgl. Pilarek 2013).
  • Stereotyp
    Zugeschriebene Eigenschaften und Verhaltensweisen aufgrund äußerer   (klischeehafter) Merkmale (Quelle: angelehnt an die Beschreibung im Duden)
    oder
    eine als gültig geäußerte Beschreibung einer Gruppe (Quelle: angelehnt an die Beschreibung im Duden)
  • Vorurteil
    Beurteilung einer Person, die man/frau nicht kennt, aufgrund ihr zugeschriebener   Eigenschaften (vgl. Pilarek 2013).
    oder
    Meinung über Personen oder Gruppen, die ohne eigene Erfahrung und Prüfung einfach kritiklos übernommen wird (vgl. Pilarek 2013).
    oder
    Stabile (negativ/positiv) Einstellung gegenüber einer anderen Gruppe bzw. eines Menschen aus einer Gruppe ohne Kenntnis der persönlichen Eigenschaften im Einzelnen (vgl. Pilarek 2013).
  • Diskriminierung   
    Benachteiligung von Menschen oder Gruppen, weil sie zum Beispiel eine andere Herkunft, eine andere Hautfarbe oder eine andere Religion als die Mehrheit haben. Das Wort stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Unterscheidung“ (vgl. Pilarek 2013).
    oder
    Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts, der Hautfarbe, der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volk, der Religion, der Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung (vgl. Pilarek 2013).
  • Rassismus
    Rassismus besteht aus Handlungen, Redeweisen oder Einstellungen, die Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Kultur oder ethnischen Herkunft bevorzugen oder benachteiligen (Quelle: http://www.gib-rassismus-keine-chance.org/ | letzter Abruf 12.11.2014).


Ein Ziel dieses Abschnitts ist, sich seine Vorurteile bewusst zu machen und zu verstehen. Um Vor-Urteile als solche, müssen wir verstehen, woher sie kommen und wie sie unser Handeln beeinflussen. Diskriminierung und Ausgrenzung sind Formen der Wirkung von Vorurteilen, wenn diese als gegeben angenommen werden. Von daher ist der Lernschritt Vorurteile zu erkennen und zu verstehen ein notwendiger Bestandteil, um Diskriminierung vorzubeugen und zu überwinden.

Ein respektvoller Umgang miteinander und die Anerkennung von Vielfalt sind in diesem Prozess Schlüsselfaktoren und ermöglichen so, die Geschichte hinter der Geschichte zu sehen und zu verstehen. Es ist notwendig Zusammenhänge und Denkmuster zu erkennen, damit diese von jeder Person selbst überprüft werden können. Selbstreflektion ist die schwierigste Aufgabe, die jede_r von uns erfahren muss: Jede Person hat selbst Diskriminierungserfahrungen auf beiden Seiten des Tisches erlebt.
Neben der direkten Diskriminierung gibt es die Form der indirekten Diskriminierung. Macht- und Dominanzverhältnisse sind oft der Auslöser für ein diskriminierendes Verhalten. Die Reflektion der eigenen Erfahrungen und Gedanken ist ein wichtiger Schritt, um sich bewusst zu werden, warum Menschen so und nicht anders handeln.

In dem Seminar liegen die Schwerpunkte bei der Erkennung/Bewusstmachung eigener Vorurteile, Entstehung von Vorurteilen (gesellschaftlich und familiär) und auf unterschiedlichen Formen und Ebenen von Diskriminierung. Die Teilnehmer_innen werden mit Hilfe von Aufgaben und Gesprächen in die Lage versetzt die eigenen Verhaltens- und Denkmuster zu reflektieren.

Die Aufarbeitung dieses Themenfeldes erfolgt individuell, da jede Gruppe andere Kenntnisse mitbringt. So kann mittels Arbeitsblättern oder aber auch durch einen offenen Gesprächskreis das Thema erarbeitet werden.

Gruppenarbeit:
Durch die Kleingruppenarbeit (je nach Größe der Gesamtgruppe zwei bis vier Personen)  erarbeiten die Teilnehmer_innen das Thema selbstständig. Hierzu wird das Arbeitsblatt „Vorurteile“ verteilt. Die Kleingruppe stellt ihre Ausarbeitung den anderen Teilnehmer_innen vor.

Dauer: 20 -30 Minuten
Materialien: Arbeitsblatt „Vorurteile“

Gesprächskreis:
In Form einer offenen Diskussion wird das Thema gemeinsam erarbeitet. Es ist wichtig den Teilnehmer_innen zu vermitteln, dass jeder Mensch Vorurteile hat, dass hier keine Person ausgegrenzt wird und dass sie sich in einem geschützten Raum befinden. Alle Gedanken, die ausgetauscht werden, verbleiben in dem Raum und werden nicht nach außen getragen. Bei dieser Thematik ist Vertrauen eine notwendige Voraussetzung.

Dauer: 20 - 30 Minuten
 

9. Kommunikation als wichtiges Instrument der Unterstützung

Worte und Geste geben Gelegenheit zu Verständnis oder Missverständnis. Kommunikation erfolgt auf vielen Wegen, verbal und non-verbal.

Was genau ist Kommunikation und wie kommunizieren wir überhaupt?
Mit diesem Modul sollen die wesentlichen Grundlagen der Kommunikation vermittelt und die möglichen Prozesse zwischen den Kommunikationspartner_innen erläutert werden. Das kann unterschiedlich erarbeitet werden.

Verbale Kommunikation: 4 Seiten einer Nachricht (vgl. Schulz von Thun 2010, S. 27 ff)
Der deutsche Psychologe und Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun hat das Kommunikationsmodell „Die Vier Seiten einer Nachricht“ entwickelt und damit die gesprochene Nachricht und ihre Wirkung auf den_die Gegenüber analysiert. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Nachricht, die vom_von der Sender_in an den_die Empfänger_in geht. Diese Nachricht ist vierdimensional und wird von jedem Menschen unterschiedlich wahrgenommen.

Arbeitsblatt | Vorurteile
Arbeitsblatt 04.docx
Microsoft Word Dokument 23.7 KB
Arbeitsblatt | Diskriminierungserfahrung
Arbeitsblatt 05.docx
Microsoft Word Dokument 22.9 KB
Informationsblatt | Was ist Diskriminierung?
Arbeitsblatt 06.docx
Microsoft Word Dokument 24.7 KB

Sachinhalt: Worüber ich informiere.
Hierbei geht es um die Sache an sich. Es erfolgt ein Sachinformationsaustausch.

Selbstoffenbarung: Was ich von mir selbst kundgebe. (Absichten und Gefühle)
Diese Seite der Nachricht ist vielen Menschen nicht bewusst und dabei schwingt sie meistens mit.

Beziehung: Was ich von dir halte und wie wir zueinander stehen.
Diese Seite der Nachricht ist meist der Auslöser für eine misslingende Kommunikation. Jede_r von uns gibt seinem_ihrem Gegenüber mit der Nachricht auch eine Botschaft weiter, was ich von ihm_ihr halte oder wie wir gerade zu einander stehen.

Appell: Wozu ich dich veranlassen möchte.
Diese Seite ist jedem_r von uns sehr geläufig. Meist wird über die Nachricht ein „Handeln“ des_der Gegenüber_s erwartet.

So kann eine Nachricht anders als gewollt interpretiert werden, da neben der gesprochen Nachricht auch die Stimme, Mimik, Betonung und Gestik mit darüber entscheiden, wie die Botschaft verstanden wird.
Nicht nur die Nachricht hat vier Seiten, die zu beachten sind. Auch der Mensch hört mit unterschiedlichen Ohren. Mit welchem Ohr die Nachricht empfangen wird entscheidet jede Person selbst. 

  • Sachverhaltsohr:
    Wie ist der Sachverhalt zu verstehen?
  • Selbstoffenbarungsohr:
    Was ist das für ein Mensch? Was ist eigentlich los mit ihm_ihr?
  • Beziehungsohr:
    Wie redet er_sie denn mit mir?
  • Appellohr:
    Was soll ich jetzt machen – was will er_sie von mir?


Ein Beispiel:
Es ist 18.00 Uhr irgendwo Zuhause. Eine Frau und ein Mann bereiten sich auf eine Einladung vor. Die Frau ist bereits fertig, der Mann steht seit einer Stunde vor dem Spiegel. Die Frau sagt folgendes zu dem Mann.

Frau: „Wir sind um 19.00 Uhr eingeladen.“


Sachverhalt:

Selbstoffenbarung:


Beziehung:


Appell:

Senderin/Nachricht
Um 19.00 sind wir eingeladen.

Ich habe das Gefühl,
wir kommen zu spät.

Kann ich dir bei der Auswahl
deines Outfits helfen?

Entscheide dich für ein Outfit.

Empfänger/Ohr
Um 19.00 Uhr sind wir eingeladen.

Sie scheint es sehr eilig zu haben.


Ihr ist es egal, wie ich rumlaufe.


Ich soll schneller machen.


Eine Nachricht kann auf der Sachebene gesendet werden und auf ein Beziehungsohr stoßen. In solchen Momenten entstehen Missverständnisse. Von daher ist es nicht immer wichtig, wie etwas gemeint ist, sondern wie es bei dem_r Anderen ankommt.

Bodenzeitung:
Es werden Gruppen mit jeweils zwei bis drei Personen gebildet. Jede Gruppe überlegt sich eine Alltagssituation, die zu Kommunikationsmissverständnissen führen kann und stellt mit Hilfe des Modells „Vier Seiten einer Nachricht/Vier Ohren“ diese grafisch oder per Text (auch kombinierbar) dar und stellt das Ergebnis vor. Die Runde diskutiert nach der Vorstellung die Ergebnisse.

Dauer: 10-15 Minuten
Materialien: Flipchart, Stifte
 
Das stumme Schreibgespräch:
Die Seminarleitung legt im Raum ‘Plakate‘ mit Symbolen, Bildern, Wörtern, Sätzen oder Farbflächen aus. Diese Symbole, Bilder, Wörter, Sätze oder Farbflächen sollten so auf dem Plakat angebracht sein, dass es noch genügend Platz zum Schreiben gibt. Die Teilnehmer_innen gehen nun um die Plakate herum und notieren auf diesen ihre Einstellungen, Meinungen, Gedanken und Fragen. Diese Notizen dürfen von den anderen Teilnehmer_innen kommentiert werden, müssen aber nicht. Am Ende werden die einzelnen Plakate kurz von der Seminarleitung vorgestellt und in der Gruppe besprochen.

Dauer: 5-10 Minuten
Materialien: Plakate, Stifte

Aufstehen:
Zwei Personen sitzen mit angewinkelten Beinen Rücken an Rücken und müssen versuchen gemeinsam aufzustehen, ohne die Arme zu Hilfe zu nehmen. Hier sind die Kommunikation und der Körper die Hilfsmittel.

Non-Verbale Kommunikation und Botschaften
Kommunikation erfolgt nicht nur sprachlich. Unterstützend zum gesprochenen Wort nutzen wir die Körpersprache, die Gestik und Mimik, um die Nachricht zu verdeutlichen. Die non-verbale Kommunikation wird in der Regel schneller gesendet und empfangen und wird oft unbewusst mitgeteilt. Häufig sind das gesprochene Wort und die non-verbale Botschaft nicht miteinander vereinbar. Aber woran liegt das? Die Redewendung „Gute Miene zum bösen/schlechten Spiel“ ist uns allen geläufig und beschreibt diesen Konflikt. Oft versuchen wir unsere Gefühle zu unterdrücken, um uns selbst zu schützen oder dem_der Gesprächspartner_in respektvoll entgegen zu treten. Im Gegensatz hierzu braucht es oft wenige bis gar keine Worte, um die Gefühlslage eines Menschen zu interpretieren. So ist in der Regel ein weinendes Kind offensichtlich traurig und ein lachendes fröhlich.

Mit Hilfe unserer Gesichtsausdrücke können wir verschiedene Gefühle unterscheiden: Freude, Überraschung, Angst, Traurigkeit, Wut, Ekel und Interesse. Jedoch können wir nicht immer ohne weiteres Gefühle ablesen. Insbesondere negative Gefühlsregungen können wir oft kontrollieren. Hinzu kommt, dass es keine universellen Gesichtsausdrücke gibt.

Nicht nur Gestik und Mimik sind Kommunikationskanäle. Die Körperhaltung ist ebenfalls ein Weg, um sich mitzuteilen. Durch die Körpersprache kommen Gefühle zum Ausdruck oder wird dem Gesagten eine Betonung hinzugefügt. Bestimmte Körperhaltungen können je nach dem kulturellen Wurzeln unterschiedliche Bedeutungen haben. Jedoch gibt es auch universelle Gemeinsamkeiten in der Interpretation der Körperhaltung, z.B. Demut ausgedrückt durch Beugen oder Niederknien, Freundlichkeit symbolisiert durch offene Arme.

Die Ausprägung der Kommunikation ist von der Persönlichkeit jeder_s Einzelnen abhängig. So kann beispielsweise entscheidend sein, ob die Person eher extrovertiert oder introvertiert ist und wie die eigene Wahrnehmung mit der Fremdwahrnehmung übereinstimmt. Durch die Individualität der Menschen sind Kommunikationsstörungen unumgänglich. Die auftretenden Missverständnisse können vielfältig sein – werden bewusst oder unbewusst ausgelöst. Um Lösungen zu finden, ist es wichtig, dass das Problem erkennbar wird, sachliche und persönliche Aspekte respektiert werden.
Um die Wirkung der non-verbalen Kommunikation zu verdeutlichen, ist es sinnvoll dieses aktiv zu erproben.

Gefühle pantomimisch darstellen:
Die Seminarleitung verteilt Kärtchen auf denen jeweils ein Gefühl verzeichnet ist: zornig, verliebt, beschämt, erschreckt, freundlich, gleichgültig, nervös, ungeduldig, begeistert, glücklich, enttäuscht, traurig, ängstlich… Die Teilnehmer_innen ziehen nun nacheinander jeweils ein Kärtchen und stellen dieses pantomimisch dar (zwei Minuten maximal). Es wird also nicht gesprochen und es werden keine Geräusche von sich gegeben. Mittels Gestik und Mimik sollen die Beobachter_innen erkennen welches Gefühl gerade zu sehen ist. Die Zuschauer_innen schreiben für sich ihre Beobachtung auf. Nachdem alle ihr Gefühl dargestellt haben, legt jede_r  Teilnehmer_in sein_ihr Gefühl offen. Jetzt kann zunächst jede_r für sich überprüfen, ob sie_er das richtige Gefühl interpretiert hat, bevor die Gruppe sich austauscht.

Dauer: 15-20 Minuten
Materialien: beschriftete Kärtchen
 

10. Was sind Werkschüler_innen und welche Bedarfe gibt es?

Die Werkschule umfasst drei Schuljahre, von Klasse 9 bis 11, und ermöglicht Schüler_innen die Berufsbildungsreife als allgemeinbildenden Abschluss zu erlangen. Die Werkschule ist an berufsbildende Schulen angegliedert, konzeptionell ist sie ausbildungsvorbereitend ausgerichtet und arbeitet v.a. praxisorientiert und in kleinen Klassenverbänden. In der Werkschule sind nicht nur Lehrkräfte für die Schüler_innen zuständig. Das Team an den Schulen besteht auch noch aus Sozialpädagog_innen und Lehrmeister_innen. Die Aufnahme an eine Werkschule erfolgt durch ein Bewerbungsverfahren. Auch nach Annahme an einer Werkschule ist der Schulplatz nicht sicher. Erst muss noch eine mehrwöchige Probezeit bis zu den Herbstferien überstanden werden.

Gruppenarbeit:
Die Seminarleitung teilt die Gruppe in Kleingruppen (zwei bis drei Personen) auf. Jede Gruppe sammelt für sich in einem Brainstorming Ergänzungen zu den Satzanfängen „Werkschüler_innen sind …“ und „Werkschüler_innen brauchen …“. Im Anschluss an die Kleingruppenarbeit erfolgen die Präsentation und der Austausch im Plenum.

Achtung: In dieser Übung sollte die Seminarleitung darauf hinweisen, wenn Vorurteile reproduziert werden.

Dauer: 15-20 Minuten Gruppenarbeit | 30 Minuten im Plenum
Materialien: Flipchart, Stifte, Moderationskarten
 

Arbeitsblatt | Diskriminierungserfahrungen „Vier Felder – vier Perspektiven“
Arbeitsblatt 07.docx
Microsoft Word Dokument 23.3 KB