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Heft 02  //  Kapitel 05.05

Rolle und Funktion von Mentoring

im Angesicht gesellschaftlicher Diskriminierung in Bildung und Arbeit: Verortung von Mentoring im Kontext gewerkschaftlicher Bildungsarbeit

Diskriminierung findet in allen Lebensbereichen statt, auch in den Bereichen Bildung und Arbeit. Diese zwei wichtigen Lebensbereiche bieten darüber hinaus eine große Entfaltungsmöglichkeit. Hier ist es möglich, durch seine eigene Vielfalt ein Teil des Ganzen zu werden. Bildung legt einen Grundstein, schafft Möglichkeiten und ist maßgeblich an der Gestaltung des Arbeitsumfeldes und des Lebensalltags mit verantwortlich. Jedoch verbirgt sich genau hier die Alltagsdiskriminierung. Das statistische Bundesamt hat im Jahr 2014 eine Umfrage zu erlebten Diskriminierungen in Auftrag gegeben. Diese Umfrage hat ergeben, dass 54% der Befragten aufgrund ihrer ethnischen Herkunft, 48 % wegen ihres Alters, 43% wegen der Behinderung, 36% wegen der sexuellen Orientierung, 30% wegen des Geschlechts und 32% aufgrund der ausgeübten Religion Diskriminierungserfahrungen hatten (Das Statistik Portal 2014). Doch was beschreibt der Diskriminierungsbegriff? Einfach ausgedrückt ist Diskriminierung eine schlechtere Behandlung einer Person/Gruppe gegenüber anderen Personen/Gruppen. Oft wird auch der Begriff der Benachteiligung als Synonym verwendet wird. Diskriminierung erfolgt nicht nur eindimensional, d.h. Betroffene erfahren häufig eine Benachteiligung aufgrund verschiedener Merkmale (Ethnie, Alter, Geschlecht, sexuelle Identität, Behinderung oder religiöser Weltanschauung), mittelbar, unmittelbar und/oder individuell bzw. institutionell (vgl. Antidiskriminierungsstelle des Bundes 2013, 31ff.).

Ungleichbehandlungen finden sich insbesondere in den Lebensbereichen der Arbeit und Bildung wieder. Beispielsweise: Im Arbeitsleben erfolgt in der Regel ein Entlohnungssystem nach vorhandenen Qualifikationen oder erbrachten Leistungen. Auch die Zugangsmöglichkeiten zum Arbeitsmarkt sind gesetzlich ungleich geregelt. So haben Migrant_innen einen erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt, da die Erlaubnis zur Ausübung einer Beschäftigung an das Aufenthaltsrecht gekoppelt ist und eine Anerkennung des im Ausland erworbenen Abschlusses bestimmten Merkmalen unterliegt. Diese Ungleichbehandlung wird von der Mehrheitsbevölkerung vorwiegend unkritisch betrachtet, da diese Form des Umgangs in die gesellschaftlichen Strukturen verankert ist.

Wie bereits erwähnt ist die Bildung ein wichtiger Teil der persönlichen Entwicklung und maßgeblich für den beruflichen Werdegang. Dennoch hat nicht jeder junge Mensch in Deutschland die gleichen Bildungschancen. Diese sind von der sozialen und ethnischen Herkunft des Elternhauses (vgl. Becker 2012) und der schulischen Institution abhängig. Gerade Schüler_innen mit Migrationshintergrund (und hier gilt es eine Differenzierung nach Herkunftsländern zu machen) sind oftmals stärker benachteiligt als ihre Mitschüler_innen ohne Migrationsgeschichte. Sie werden auf mehreren Ebenen diskriminiert. Zum einen leben Familien mit einer Zuwanderungsgeschichte häufiger in schlechteren ökonomischen Verhältnissen, zum anderen werden die spezifischen Fähigkeiten und Kompetenzen der Kinder aus diesen Elternhäusern wenig genutzt (Mehrsprachigkeit ist hier ein gutes Beispiel: soweit es sich nicht um den in der Aufnahmegesellschaft üblichen Fremdsprachenkanon handelt, wird Mehrsprachigkeit eher als Hemmnis denn als Vorteil betrachtet).

Eine weitere Hürde stellt die Sprachförderung dar. Sowohl Kinder aus Migrantenfamilien als auch Kinder aus sozial schwächeren Familien haben zu Beginn des Schuljahres nicht immer die gleichen Startbedingungen wie Kinder aus Familien der s.g. bürgerlichen Mitte. Diese unterschiedlichen Startbedingungen führen zu einer Selektion innerhalb der Institution Schule, die erheblichen Einfluss auf die weitere Entwicklung hat (vgl. Meyer-Hesemann 2008, 19 ff.). So besteht zum Beispiel ein Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft, dem Bildungsniveau der Eltern und der Lesekompetenz der Grundschüler_innen (vgl. Solga 2009, S.13). Folglich lässt sich festhalten, dass der Besuch einer Schulform mit dem Ziel des Erreichens eines höherwertigen Schulabschlusses zu einer Beschäftigung führt, die in der Regel eine höhere Entlohnung und bessere Arbeitsbedingungen mit sich bringt.

Aus diesem Grund kann Bildungsarbeit die Frage nach dem Zusammenhang des Bildungserfolges und dem beruflichen Werdegang nicht ausblenden und greift diese Lebensrealität ihrer Teilnehmer_innen in den Angeboten auf. Sowohl Arbeitnehmer_innen, Eltern und Multiplikator_innen als auch Arbeitgeber_innen sind daran interessiert, die beiden Lebensbereiche Bildung und Arbeit mit zu gestalten. Arbeitgeber_innen haben ein großes Interesse an der Ausbildungsfähigkeit der potenziellen jungen Menschen und die Arbeitnehmer_innen, Eltern und Multiplikator_innen legen ihren Fokus auf die berufliche Perspektive. Damit insbesondere der Übergang von der Schule in den Beruf wenig Reibungsverluste erfahren muss und dieser für alle Beteiligten optimal gestaltet werden kann, ist eine berufliche Orientierung an den allgemeinbildenden Schulen nicht ausreichend. Die Grundlagen für Berufsorientierungen sind nicht zentral geregelt. Es handelt sich um ein Zusammenspiel der Sozialgesetzbücher (SGB) II, III und VIII. Gemäß §13 Abs. 2 und 3 SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfegesetz) richtet sich ein mögliches Unterstützungsangebot an junge sozial benachteiligte und individuell beeinträchtigte Menschen, die aufgrund ihrer persönlichen Ausgangssituation wenig Erfolg auf eine Integration in den Arbeitsmarkt haben (Jugendberufshilfe). Daneben greift die Grundlage des §48 SGB III (Arbeitsförderung), die die Berufsorientierungsmaßnahmen seitens der Agentur für Arbeit für Schüler_innen der allgemeinbildenden Schulen beschreibt. Darüber hinaus finden sich gezielte Maßnahmen zur Integration in den Arbeitsmarkt im Sozialgesetzbuch II (Grundsicherung für Arbeitssuchende).

Viele junge Menschen stehen vor der Herausforderung den Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht zu werden und fühlen sich mehrfach mit dieser Situation überfordert. Sofern hier das Elternhaus keine entsprechende Unterstützung anbieten kann, ist eine individuelle Betreuung notwendig, damit an dieser Stelle kein Jugendlicher verloren geht. Als Ergänzung zum bestehenden öffentlichen Angebot kann eine Begleitung der jungen Menschen durch Personen im Erwerbsleben erfolgen (Mentoring). Mithilfe eines Mentoringansatzes können die Interessen der Akteure zusammen gebracht werden. Diese Patenschaften fördern den sozialen Kontakt und geben die Möglichkeit, Einblicke in die Arbeitswelt zu erlangen.