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Heft 02  //  Kapitel 04

Zielgruppe: Schüler_innen

Viele Jugendliche in Deutschland sehen ihrer Zukunft wenig optimistisch entgegen: Leiharbeit, befristete Jobs, schlechte Bezahlung und Perspektivlosigkeit. Zu diesen Ergebnissen ist die UNICEF Studie zur Lage der Kinder in Industrieländern 2010 gekommen (vgl. UNICEF 2010.

Insgesamt wurden sechs Bereiche aus dem Leben der Jugendlichen untersucht. Im Gesamtergebnis landet Deutschland immerhin auf Platz acht, wenn es darum geht, eine gute Lebensumwelt für Kinder und Jugendliche zu schaffen. Die Erhebung zu den beruflichen Perspektiven ist aber ein Ausreißer nach unten. Denn, obwohl sich ein sehr hoher Anteil der Kinder und Jugendlichen bis zum 19. Lebensjahr im Ausbildungssystem befindet, ist die subjektive Erwartung der 15-jährigen Schüler_innen an ihre zukünftige Arbeit ungewöhnlich niedrig. Dieses subjektive negative Empfinden ist laut UNICEF darauf zurückzuführen, dass Erwachsene ihren Kindern dieses Bild vermitteln, da sie selbst von prekärer Beschäftigung betroffen sind (vgl. UNICEF 2010).

Neben dieser sehr pessimistischen Einstellung stehen die Jugendlichen heutzutage unter einem enormen gesellschaftlichen Leistungsdruck. Immer früher werden Kinder mittels Notensysteme und äußerer Erscheinungsbilder beurteilt. Diese Form der Dauerbeurteilung seitens der Lehrkräfte, der Familie und der Freunde löst in den jungen Menschen einen Druck aus, den sie selten alleine bewerkstelligen können. So müssen sie sich nicht nur damit auseinandersetzten, dass die Leistungen in der Schule akzeptabel sind, sondern sich auch gegenüber ihrer Peer-Group behaupten und sich auch noch auf dem Arbeitsmarkt gegenüber hunderten von Mitbewerber_innen durchsetzen müssen. Dieser Leistungsdruck setzt sich meist dann auch noch innerhalb der Familie fort. Es wird erwartet, dass die Kinder und Jugendlichen immer bestmögliche Ergebnisse aus Sicht der Erwachsenen vorweisen, ohne dabei auf individuelle Aspekte einzugehen. Neben diesem Extrem gibt es vermehrt Fälle, die aufzeigen, dass die Erziehungsberechtigten wenig Interesse an dem Leben der Jugendlichen haben, stattdessen sind sie mit sich selbst beschäftigt. In beiden Fällen stehen die Kinder und Jugendlichen alleine vor ihren Problemen und versuchen ohne Beistand die Situationen zu meistern. Die Herausforderung für jeden jungen Menschen besteht nun darin, Entscheidungen zu treffen und versuchen diese umzusetzen. Sie müssen ihre (prekäre) Situation verstehen, Möglichkeiten staatlicher-gesellschaftlicher Unterstützung und der Selbsthilfe kennen zu lernen und über zivilgesellschaftliches und gesellschaftspolitisches Engagement Wege zur Integration in ihr lokales Umfeld finden.