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Heft 02  //  Kapitel 03

Vorbemerkung

Aufbruch, Respekt und Orientierung sind die Grundlagen für ein gelingendes Miteinander in unserer Gesellschaft. Die Begriffe Loyalität, Teamfähigkeit und Flexibilität werden gegenwärtig  häufig verwendet und unterliegen nicht immer den gleichen Definitionen. Wie können insbesondere junge Erwachsene sich in einer schnell wandelnden Zeit orientieren, ihren Platz in der Gesellschaft finden und den richtigen Weg einschlagen?

Ein Grundstein für den Lebensweg ist der Bildungsabschluss, der in Deutschland von der sozialen Herkunft und gesellschaftlichen Stellung der Familie abhängig ist. Aber wie sollen Jugendliche ihren Bildungserfolg beeinflussen, wenn die eigene Umwelt nicht die Möglichkeiten hat oder gar Chancen aufzeigen kann?

Im Bundesland Bremen haben im Jahr 2009 etwa 7,5% der Schüler_innen die Schule ohne einen Schulabschluss verlassen (der Bundesdurchschnitt liegt bei 6,9%). Dazu ist Bremen, ein Land mit einem Fluss und zwei Städten, noch einmal  in sich gespalten. Im Jahre 2009 haben im Stadtgebiet Bremen (Bremen-Nord und Bremen-Stadt) 6,1% der Schüler_innen keinen Abschluss gemacht, in Bremerhaven waren es 12,7% (vgl. Freie Hansestadt Bremen 2012, S. 276ff.). Jedes Jahr verweilen Jugendliche im sogenannten Übergangssystem und befinden sich in einer Warteschleife. Eine Vielzahl von ihnen verlässt die Schule mit einem niedrigen oder keinen Schulabschluss.

Im gleichen Atemzug beklagen Ausbildungsbetriebe zunehmende Schwierigkeiten bei der Besetzung der Ausbildungsstellen durch geeignete Auszubildende (Ausbildungsreife). Nach Angaben der Agentur für Arbeit lag die Zahl der Bewerber_innen für Berufsausbildungsstellen für die Jahre 2013/2014 bei 559.431 Personen. Dem gegenüber standen 511.613 gemeldete Berufsausbildungsstellen gegenüber. Von den Bewerber_innen blieben 20.872 Personen unversorgt und 538.559 Personen wurden versorgt. Diese Versorgung bezieht sowohl die Aufnahme einer Berufsausbildung, als auch den weiteren Besuch einer Schulform, die Durchführung eines freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahres, den Bundesfreiwilligendienst oder auch die Aufnahme einer Beschäftigung ein. Im genannten Zeitraum blieben 37.101 Stellen unbesetzt (Agentur für Arbeit 2014. Hinzu kommt die Tatsache, dass von den 350 Berufen 340 eher ignoriert werden (vgl. Sell 2013, 47 ff.). Orientierungslosigkeit macht sich unter den jungen Menschen breit. Studien zeigen auf, dass das Bildungssystem und das Elternhaus die benötigten Orientierungshilfen nicht erbringen können. Aus diesem Grund hat sich vermehrt das Mentoring in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens als Helfer, Unterstützer und Begleiter erwiesen. Insbesondere sozial benachteiligte Jugendliche haben durch diese Ansätze die Möglichkeit, ihre aktuelle Lebenssituation zu verbessern. Durch eine 1:1 Begleitung haben die jungen Menschen eine_n Ansprechpartner_in, der_die ihr_ihm bei der Gestaltung der Lebensplanung und des Berufsweges unterstützend zur Seite steht.

Dieser Ansatz ermöglicht eine individuell gesteuerte Berufswegplanung und Berufswahlentscheidung. Vielen jungen Menschen ist die Auswahl bzw. die Breite der Ausbildungsberufe nicht bekannt. Berufliche Orientierung beginnt bereits im frühen Lebensalter. Die jungen Menschen werden bei ihrer Berufswahlentscheidung von unterschiedlichen Personengruppen und gesellschaftlichen Rahmenvorstellungen beeinflusst. Hierbei spielen die Eltern, die Peer-Gruppe, der örtliche Arbeitsmarkt aber auch die Geschlechterrollen eine große Rolle (vgl. Sell 2013, 47 ff.).