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Heft 01  //  Kapitel 06.03

Modul II: Berufsorientierung & Bewerbungstraining

Neben dem Aufbau und der Förderung sozialer Kompetenzen führt COMMPASS auch gezielt in dem Bereich Berufsorientierung und Bewerbungstraining Veranstaltungen mit den Jugendlichen durch.

Auch wenn die Werkschule so angedacht ist, dass sie von denjenigen Schüler_innen angewählt wird, die bereits wissen bzw. eine Vorstellung davon haben, in welche berufliche Richtung es in ihrem späteren Arbeitsleben gehen soll, so zeigen die im Projekt gemachten Erfahrungen, dass viele Jugendliche über keine konkreten Berufsvorstellungen verfügen (das gilt nicht nur für Werkschüler_innen).

Das liegt unter anderem daran, dass bei den Jugendlichen die Unsicherheit und Zukunftsängste hemmend auf eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Berufs- und Lebensplanung wirken. Viele Schüler_innen wählen daher den vermeintlich sicheren und einfachen Weg, weiter im schulischen System zu verbleiben. Oft liegt diesen Entscheidungen wieder eine Alternativlosigkeit zugrunde, da keine konkreten beruflichen Zukunftsvorstellungen ausgebildet sind.

COMMPASS setzt hier mit konkreten Angeboten zur Berufsorientierung an, wobei die Seminare frühestens ab Mitte der 9. Klasse starten und die meisten Veranstaltungen zu Jahresbeginn in den beiden letzten Schuljahren stattfinden, wenn die Bewerbungszeit um Ausbildungs- und Schulplätze ihren Höhepunkt erreicht. Entscheidend für den Durchführungszeitpunkt des Angebots ist die erlebte Relevanz des Themas für die Schüler_innen. Mit abnehmender Schulzeit und zunehmendem Entscheidungsdruck steigt die Offenheit der Jugendlichen, sich inhaltlich mit Berufsorientierung und Bewerbungstraining auseinanderzusetzen.

In diesem Modul werden zwei Seminarblöcke zu den Themen Berufsorientierung und Bewerbungstraining vorgestellt, die beispielhaft verdeutlichen sollen, wie im Rahmen von COMMPASS mit den Jugendlichen zu diesen Inhalten gearbeitet wird.

  • Seminarblock: Berufsorientierung
  • Seminarblock: Bewerbungstraining


Seminarblock: Berufsorientierung

Ziel
Wie oben schon erwähnt haben viele Werkschüler_innen (genauso wie andere Jugendliche auf anderen Schulen) nur wenig Vorstellung über ihre berufliche Zukunft. COMMPASS möchte das Thema berufliche Orientierung und Bewerbung den Jugendlichen auf spielerische Art nahe bringen und Lust machen auf eine Auseinandersetzung, indem an die Lebenswelten der Schüler_innen angeknüpft wird. Grundlegende Haltung dabei ist die Akzeptanz des Ausgangspunkts der Jugendlichen. Ziel in den Seminaren ist nicht die Feststellung von Kompetenzen oder Herausarbeitung von berufsspezifischen Profilen, sondern durch die Auseinandersetzung mit und Reflektion von Inhalten zu Erkenntnissen zu kommen, die eine bewusstere und zielgerichtete Entscheidung bezüglich der Berufswahl ermöglichen.

Es geht auch darum, den Handlungs- und Entscheidungsspielraum der Jugendlichen im Übergang zu erweitern. Einen Plan B zu haben verleiht Sicherheit im Umgang mit möglichen Zukunftsängsten.

Inhalt
Beim Traumpraktikum werden die Schüler_innen mit Aussagen und Fragen rund ums Praktikum konfrontiert und antworten, indem sie sich auf einer Skala positionieren. Nach jeder Runde gibt es kurze Rückmeldungen und Argumente, Meinungen und Hintergründe werden gesammelt.

In der Übung Mach ich`s oder mach ich`s nicht? äußern sich die Schüler_innen dazu, wie gerne sie bestimmte Berufe ausüben würden, indem sie sich entlang einer Skala positionieren. Durch Befragen der Teilnehmer_innen werden ihre Berufswahlkriterien herausgearbeitet.

Beim Berufetheater stellen die Schüler_innen Tätigkeiten aus verschiedenen Berufen in Form von Standbildern nach. Das Publikum beobachtet, beschreibt das Bild und rät den dargestellten Beruf.

Methoden

  • Mein Traumpraktikum
  • Mach ich`s oder mach ich`s nicht?
  • Berufetheater
     

Seminarblock: Bewerbungstraining

Ziel
In einem Bewerbungsgespräch kann vieles schief laufen. Durch eine intensive Vorbereitung und Üben im Rollenspiel werden ‚Fehler‘ vermieden und Sicherheit gewonnen. Für die meisten Jugendlichen ist es das erste Mal, dass sie im Rahmen einer Bewerbung um einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz fremden Personen in einer Art Prüfungsgespräch gegenüberstehen, um sich zu präsentieren. Die Nervosität und Unsicherheit ist groß: Welche Fragen werden mir dabei gestellt? Welche Fragen darf ich stellen? Wie verhalte ich mich und was ziehe ich an?

Im Laufe des Projekts bestätigte sich, dass ein gut aufgebautes Bewerbungstraining mit hohem Echtheitscharakter von den Jugendlichen sehr gut angenommen wird und einen großen Lerneffekt erzielt. Die Schüler_innen kommen aus ihrer Komfortzone und sammeln - durch eine sensible Begleitung durch die Teamer_innen - positive Erfahrungen, auf die sie aufbauen können.

Dabei gilt es die Waage zu halten zwischen Über- und Unterforderung. Werden die Bedingungen so anspruchsvoll angelegt, dass sich einige Jugendliche aus Schutzgründen zurückziehen und zum Gespräch nicht erscheinen, oder wird das Rollenspiel nicht ernst genommen und es endet in einem Komödienspiel?

Ziel der Bewerbungstrainings ist es, die Präsentationskompetenzen der Jugendlichen zu stärken, an Selbstvertrauen und Sicherheit zu gewinnen und zu erfahren, dass sich eine Vorbereitung auf die kommenden Gesprächssituationen lohnen kann.

Inhalt
Als Einstiegsübung bringen die Jugendlichen bei der Bewerbungstreppe die notwendigen Schritte auf dem Weg zu einem Ausbildungsplatz in eine logische Reihenfolge und bestimmen ihren momentanen Standpunkt auf diesem Weg. Ein Brainstorming zu alternativen Wegen zur Ausbildung lässt sich danach gut anschließen.

Das Bewerbungsgespräch ist eine aufwendigere Übung mit starkem Echtheitscharakter. Die Schüler_innen bereiten sich auf ein Vorstellungsgespräch vor und probieren ihre Präsentationskompetenzen aus. Jede_r Einzelne erhält ein ausführliches konstruktives Feedback.

Methoden

  • Bewerbungstreppe
  • Bewerbungsgespräch