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Heft 01  //  Kapitel 06

Curriculum

für die außerschulische Bildungsarbeit mit Werkschüler_innen

Das folgende Kapitel versteht sich als Handreichung für die außerschulische Bildungsarbeit mit sog. benachteiligten Jugendlichen und ist gedacht für Teamer_innen, Bildungsreferent_innen, Projektmitarbeiter_innen und andere Personen und Einrichtungen, die mit dieser Zielgruppe politische Bildungsarbeit durchführen.

Das Ziel von COMMPASS ist es, sog. benachteiligte Jugendliche beim Übergang von Schule in Ausbildung und Arbeitswelt zu unterstützen und zu fördern. Zentral dabei sind Trainings, in denen die sozialen, kommunikativen, interkulturellen und Konfliktkompetenzen der Teilnehmer_innen gefördert werden. Hierfür bietet das Projekt den Jugendlichen - unter Einbeziehung der schulischen Akteur_innen - ein für sie zugeschnittenes Seminarprogramm an, was sich aus ein- bis mehrtägigen Seminaren mit Aufenthalten in Bildungseinrichtungen (mit und ohne Übernachtungen), als auch aus unterrichtsbegleitenden Seminareinheiten, die in den Schulalltag eingegliedert sind, zusammensetzt. Der inhaltliche Schwerpunkt in der Arbeit mit den Schüler_innen verteilt sich auf die folgenden drei Module:

  • I.      Soziale Kompetenzen stärken
  • II.     Berufsorientierung und Bewerbungstraining
  • III.    Lebensgestaltung und Diskriminierung/Empowerment

Abb.: Seminarkonzept von COMMPASS
Abb.: Seminarkonzept von COMMPASS

Aus der obigen Abbildung ist ersichtlich, dass das Modul Soziale Kompetenzen als einziges durchgehend in allen drei Jahrgängen zum Einsatz kam. Die ersten Seminartage mit den neuen 9. Klassen hatten den Fokus stets auf gegenseitiges Kennenlernen, Vertrauensaufbau und Kooperation, um die Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit zu bilden. Erst in den folgenden Veranstaltungen wurden Themen wie Diskriminierung und Lebensgestaltung aufgegriffen. Aufgrund der Erfahrung vorangegangener Projekte wurde zu den Themen Berufsorientierung und Bewerbungstraining frühestens ab dem zweiten Halbjahr der 9. Klasse gearbeitet. Die Jugendlichen stehen diesen  Themen viel offener gegenüber, wenn der Übergang für sie akuter und spürbarer wird, sie also eine Relevanz für ihre Lebenswelt erkennen.

Ausgehend von dem Grundsatz ‚Stärken stärken‘ möchte das COMMPASS-Projekt mit den Jugendlichen Visionen und Ziele entwickeln, die Selbstreflexion fördern, Stärken herausarbeiten, vorhandene Fähigkeiten stützen und Kompetenzen, da wo sie wenig ausgeprägt sind, aufbauen. Einhergehend mit der angestrebten Stärkung des individuellen und gruppenbezogenen Selbstwertgefühls wird ein Beitrag zur Entwicklung von Handlungsmöglichkeiten und Handlungssicherheit der Jugendlichen im Übergang von der Schule in die Arbeitswelt geleistet und damit auch ihre Fähigkeit, mit alltäglicher erlebter Diskriminierung und Ausgrenzung angemessen und selbstbestimmt umgehen zu können, entwickelt.

Ziele:

  • Stärkung der Reflexionsfähigkeit und Selbstwahrnehmung
  • Stärkung der Sozial-, Kommunikations- und Konfliktkompetenz
  • Entdecken der eigenen Stärken/Schwächen
  • Stärkung des Selbstbewusstseins
  • Stärkung im Umgang mit Diskriminierung
  • Aufbau und Stärkung des Gruppenzusammenhangs
  • Entwicklung mittel- und längerfristiger Berufs- und Lebensziele
  • Auseinandersetzung mit für die Jugendlichen relevanten Themen


In COMMPASS kommen folgende Methoden und Arbeitsformen zum Einsatz:

Erlebnispädagogik zu den Themen Kooperation, Vertrauen und Kommunikation; Hoch- und Niedrigseilgartentraining; Kanufahren; Geocaching; Trommelworkshops; Stencil-Workshops; Rollenspiele zu den Themen Bewerbungsgespräch, Praktikum oder Konflikte u.a.m.

Bei der Auswahl der Methoden ist die Zielgruppe besonders zu berücksichtigen: Welche Methoden kommen gut an? Welche Interessen haben die Jugendlichen? Wie muss ein Seminartag gestaltet sein? Genaueres zu den Rahmenbedingungen, wie Seminare mit Werkschüler_innen geplant, strukturiert und durchgeführt werden sollten, wird in Kapitel 6.1 erläutert.

Zu jedem der drei oben genannten Module gibt es einzelne Seminarblöcke, die anhand ausgewählter Methoden und Übungen verdeutlichen, wie die Arbeit mit den Jugendlichen erfolgen kann. Im Projekt kamen die Blöcke bzw. die einzelnen Methoden im Rahmen von Tages- und Mehrtagesseminaren in außerschulischen Bildungseinrichtungen zum Einsatz.

In dieser Handreichung wurde bewusst darauf verzichtet, einen kompletten Seminarablauf aufzuzeigen. Die Unterteilung in Seminarblöcke kommt einer flexibleren und prozessorientierten Seminargestaltung entgegen. Selbstverständlich können die einzelnen Methoden aus den verschiedenen Blöcken gemischt und kombiniert werden, um ein eigenes Seminarkonzept zu entwerfen.

Noch eine Anmerkung zu den Quellen der unten dargestellten Methoden: Ihre Herkunft ist leider nicht immer nachzuvollziehen, da sie aus Fortbildungen oder Selbsterfahrungsgruppen stammen oder von beteiligten Teamer_innen eingebracht wurden. Wo es noch möglich ist, werden Quellen angegeben.