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Heft 01  //  Kapitel 03

Das Projekt COMMPASS

als Commitment im Übergang von Schule in die Arbeitswelt

Das vom Bundesprogramm ‚XENOS – Integration und Vielfalt‘ geförderte Projekt COMMPASS ist bei der Bildungsvereinigung Arbeit und Leben Bremen angesiedelt. COMMPASS steht für ‚Commitment in Statuspassagen Jugendlicher auf dem Weg in den Arbeitsmarkt‘, wobei Commitment hier für Engagement, Einsatz und Bindung steht, und sinngemäß meint: ‚sich verpflichten für eine Sache‘.

Die Projektlaufzeit startete im Januar 2012 und endet im Dezember 2014. Personell ist das Projekt neben der Projektleitung mit drei pädagogischen Mitarbeiter_innen sowie einer Verwaltungskraft ausgestattet.  Ziel ist die Entwicklung nachhaltiger Ansätze und Strategien, um sog. benachteiligte Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund beim Übergang von Schule in Ausbildung und Arbeitswelt zu unterstützen, zu fördern und dabei einen Beitrag zum Abbau personaler und struktureller Diskriminierung zu leisten. Zielgruppe des Projekts sind die Schüler_innen des jungen bremischen Bildungsgangs Werkschule, welche die Klassen 9 bis 11 besuchen, um die erweiterte Berufsbildungsreife zu erreichen.

COMMPASS startete mit den Werkschulstandorten an den Schulzentren Neustadt und Blumenthal als Kooperationspartnern, die Zusammenarbeit wurde im Laufe der Projektzeit auf die Werkschulen am Schulzentrum Vegesack und dem Schulzentrum Alwin-Lonke-Straße ausgeweitet.
 

Projektziele

Schulischer Erfolg und ein gelingender Übergang von der Schule in die Arbeitswelt auf der einen und Persönlichkeitsentwicklung auf der anderen Seite sind untrennbar miteinander verknüpft. Daher ist das Ziel von COMMPASS, die Kommunikations-, Sozial- und Lernkompetenzen der Jugendlichen zu stärken – im Geiste einer Pädagogik der Anerkennung bzw. des Respekts, die ihren Ausgang von den Ressourcen und Stärken der Schüler_innen nimmt. Einhergehend mit einer so angestrebten Stärkung des individuellen und gruppenbezogenen Selbstwertgefühls wird ein Beitrag zur Entwicklung von Handlungsmöglichkeiten und Handlungssicherheit der Jugendlichen im Übergang von der Schule in die Arbeitswelt geleistet und damit auch ihre Fähigkeit, mit alltäglicher erlebter Diskriminierung und Ausgrenzung angemessen und selbstbestimmt umzugehen, entwickelt.

Neben den Werkschüler_innen arbeitete COMMPASS auch mit den beteiligten Multiplikator_innen aus Schule, Ausbildung und Arbeitswelt (Lehrkräfte, Sozialpädagog_innen, Lehrmeister_innen, Ausbilder_innen etc.) zusammen, um diese für den Umgang mit Vielfalt zu sensibilisieren und qualifizieren – nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die Anforderungen an das Bildungspersonal im Übergang von der Schule in die Arbeitswelt immer komplexer werden.
 

Projektansätze

Das Projekt arbeitete mit drei verschiedenen sich ergänzenden Ansätzen, um die Schüler_innen in ihrer Orientierung zu stärken – ob bei der Erlangung ihres Schulabschlusses oder der Auseinandersetzung mit weiterreichenden Plänen, Lebenszielen und Wünschen:

  1. Außerschulische Seminararbeit
  2. Mentoring
  3. Beratung
     

Außerschulische Seminararbeit

Für die Zielgruppe 'Werkschüler_innen' werden auf der Grundlage einer genauen Analyse der Rahmenbedingungen an den jeweiligen Lernorten bedarfsgerechte und passgenaue Trainings und Seminare entwickelt und durchgeführt. Charakteristisch für die Veranstaltungen von COMMPASS ist, dass sie überwiegend an Bildungsstätten und in Tagungshäusern, d.h. außerhalb von Schule durchgeführt werden.

Die ein- bis fünftägigen Seminare (mit und ohne Übernachtung) werden mit den Jugendlichen und in Absprache mit den verantwortlichen Lehrer_- und Sozialpädagog_innen geplant und konzipiert (Partizipation). Ein zwei- oder dreiköpfiges Team aus dem Teamer_innenpool von COMMPASS führt die Seminare durch. Die Teamer_innen sind meist freiberufliche Pädagog_innen und bringen ihre persönlichen Kompetenzen und Arbeitsprofile mit, so dass COMMPASS mit einem breit gefächerten Repertoire aufwarten kann.

Die Seminare behandeln Themen und arbeiten mit Methoden, die für die Stärkung der Sozialkompetenzen und der Berufsorientierung sowie Lebensplanung wichtig sind. In den Trainings werden überwiegend erlebnispädagogische Methoden eingesetzt, um durch Aktivierung der Jugendlichen ihre sozialen, kommunikativen, interkulturellen sowie Konfliktkompetenzen zu stärken. Neben den Kompetenztrainings werden auch Veranstaltungen zu den Themen Praktikumsplatz, Bewerbung und Vorstellungsgespräch, Lebensplanung, Diskriminierung und Empowerment durchgeführt.

Jede Veranstaltung wird mit den Schüler_innen, Teamer_innen, schulischen Akteur_innen und Projektmitarbeiter_innen ausgewertet, um die nächsten darauf aufbauenden Schritte zu planen.
 

Einzelberatung

Der Ansatz der Einzelberatung hat sich aus gemachten Erfahrungen in der außerschulischen Seminararbeit mit den Werkschüler_innen entwickelt. Während der Veranstaltungen stellten die Teamer_innen fest, dass sich viele der Jugendlichen im Einzelgespräch mehr öffneten und mehr Vertrauen zeigten.

Da im Projektteam und im Teamer_innenpool langjährige Beratungserfahrungen und Kompetenzen vorhanden sind, auf die zurückgegriffen werden kann, hat sich die Einzelberatung von Werkschüler_innen als Ergänzung und Alternative zur Seminararbeit und dem Mentoring erwiesen.

In den Einzelberatungen, die unter der Bedingung der Verschwiegenheit und Vertraulichkeit im Rahmen von Seminaren, an der Schule oder an anderen Orten durchgeführt werden, geht es neben den Themen Berufsorientierung und Praktikum oft auch um die private Lebenssituation der Jugendlichen.
 

Mentoring

COMMPASS legt besonders großen Wert auf eine nachhaltige Verankerung und Fortführung des Unterstützungsprozesses bei der beruflichen Orientierung der Werkschüler_innen – auch nach Beendigung der Schulpflicht. Und dafür steht vor allem das Mentoringprogramm.

Gegenüber der klassischen Definition von Mentoring möchte COMMPASS die Schüler_innen durch einen wertschätzenden und ihre Lebensleistung respektierenden Ansatz begleiten. Es geht also nicht darum, dass eine kompetente erwachsene Person aus der Arbeitswelt dem_r Schüler_in mit ihrem Netzwerk und Wissen unter die Arme greift. Das Mentoring weist einen wechselseitigen Prozess des voneinander Lernens zwischen Mentor_in und Mentee auf. Auch die ältere Person wird zum Lernenden und Erfahrenden über die Lebenswelt des_r Jugendlichen.

Die Mentor_innen werden aus bereits bestehenden Netzwerken und durch Werbemaßnahmen akquiriert, während die Mentees durch direkte Ansprache und über das Kennenlernen in Seminaren auf das Angebot aufmerksam gemacht werden (wichtig dabei ist die Freiwilligkeit der Jugendlichen).
Die Mentor_innen werden in einer mehrteiligen Fortbildung auf das Mentoring vorbereitet und durchgehend durch einen Mentor_innen-Arbeitskreis und die Projektmitarbeiter_innen unterstützend begleitet. Das Mentoring findet unabhängig von der schulischen Einrichtung statt und endet nicht mit dem Schulabschluss, so dass die Mentees auch nach der Schule noch eine_n Ansprechpartner_in haben.